Wir alle wachsen mit der beruhigenden Illusion auf, unser Gehirn sei ein steriler, hermetisch abgeriegelter Tresorraum. Die Blut-Hirn-Schranke (BHS), ein geniales architektonisches Konstrukt aus Endothelzellen, schützt unsere empfindlichen Synapsen vor dem Pöbel im Blutkreislauf. So die Theorie. Die forensische Realität auf dem Seziertisch sieht anders aus. Das Gewebe verstorbener Alzheimer-Patienten ist kein steriler Raum, es ist ein mikrobieller Tatort.
Der Star-Antagonist in diesem Drama ist Porphyromonas gingivalis. Ein gramnegatives, anaerobes Bakterium, das normalerweise in den entzündeten Zahnfleischtaschen von Parodontitis-Patienten residiert. Forschungen (unter anderem publiziert in Science Advances) haben nicht nur die DNA dieses Erregers direkt im degenerierten Hirngewebe nachgewiesen. Sie haben auch die Tatwaffe gefunden: Gingipaine. Diese bakteriellen Enzyme verhalten sich wie molekulare Dietrich-Sets. Sie knacken die Tight Junctions die zellulären Schweißnähte der Blut-Hirn-Schranke physisch auf. Die Grenztruppen fallen, der Tresor ist offen, und die Pathogene fluten das Allerheiligste… weiter lesen
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